Antoniusschule

Sr. Liberata erzählt

 

Aus der "Kirchenzeitung  -  Die Woche im Bistum Hildesheim" vom 23. Mai 2017
​​​​​​​
​​​​​​​

Sr. Liberata über Leib und Seele

1971 bin ich nach Peru gegangen. Unsere Oberin Mutter Tabitha hat mich gefragt: Willst du nicht nach Peru? Wir brauchen dort eine Küchenschwester. Erst habe ich gesagt: Was soll ich denn da, ich habe Migräne. Und Sr. Tabitha sagte: Die kannst du auch in Peru haben. Na gut, habe ich da gedacht, dann schickt mich mal. Drei Tage durfte ich nach Schönstatt fahren, weil ich richtig darum beten wollte. Auch meine Mutter habe ich gefragt. Ihre Antwort? Ach, Mädchen, wenn das der Wille Gottes ist, dann fahr man – aber wo liegt eigentlich Peru? So war das. Den 22. März 72, den werde ich nicht vergessen. Da bin ich in Trujillo angekommen. Wir haben das Kinderheim dort eröffnet, weil es nach dem schweren Erdbeben 1970 so viele Kinder ohne Eltern gab. Für die sollte ich nun kochen. Ich wollte peruanische Kost lernen. Denn was sollen die Kinder mit deutscher Kost? Wir haben uns mit dem beholfen, was da war. Linsen haben wir gekocht. Bohnen. Und Choclo. Das sind dicke Maiskörner. Morgens gab es Tomaten mit Käse und abends Käse mit Tomaten. Na ja.

Spanisch konnte ich vorher nicht. Das habe ich mit den Kindern gelernt. Und dann kommt man ja auch mit den Leuten zusammen. Da hat sich ergeben, dass da viele alte Leute sind, die auch nichts zu essen haben. Da habe ich gefragt: Können wir für die nicht eine Speiseausgabe machen? Das haben wir dann gemacht. Du machst halt das, was du antriffst.

1991 wurde ich dann versetzt. Und ehrlich: Ich dachte, die Welt geht unter, weil ich von meinen Kindern weg musste. In Jimbe habe ich mich dann um alte Leute gekümmert. Natürlich auch, dass sie etwas zu essen hatten. Auch Schulkinder haben wir in unserer Küche versorgt. Das waren bis zu 150 Kinder. Bei der Großküche hatten wir auch Hilfe von Frauen vor Ort. Da habe ich viel gelernt. Kochen und Mentalität. Die Frauen haben immer viele Lebensmittel aus ihren Gärten mitgebracht.


Der Esel, der Hund und die Madrecita

Ich bin auch in die Dörfer gegangen, habe dort alte Menschen versorgt und gewaschen. Da habe ich um einen Esel gebeten. Den habe ich auch bekommen. Negrita. Der Esel hat mir viel geholfen. Negrita kannte die Wege. Uns hat auch immer ein Hund begleitet. Bobby. Wir waren schon ein tolles Gespann: der Esel, der Hund und ich, die Madrecita. Der Esel hatte eine Patin in Deutschland. Die Frau, sie lebt heute noch, hat mir immer Geld geschickt. Davon konnte ich dann Klee kaufen. Nachts konnte der Esel dann auf eine Weide. Ich war froh, dass er nicht immer im Stall sein musste. Er musste seine Freiheit haben. Wohl wie ich auch.

Im Januar 1997 bin ich nach Omate gegangen, in den südlichen Anden. Ich habe mich da um die alten Leute gekümmert. Die sitzen häufig ganz alleine vor ihren Wohnungen und haben nichts mehr. Die jungen Leute sind doch alle in die großen Städte gegangen. Wir haben dann Lebensmittel zu ihnen gebracht, auch in die Bergdörfer, und in Omate haben wir für sie einen Ort zum Treffen geschaffen – das „Haus Luise“. Andere Schwestern haben sich um Schulkinder gekümmert.

Nach 15 Jahren bin ich da wieder ‚abgehauen‘, jetzt ging es nach Lima. Da habe ich mich auch wieder um den Comedor, unsere Volksküche, in unserem Regionalhaus gekümmert, geputzt, gewaschen – was halt so nötig war. Ich war auch schon ein bisschen älter. 2016 bin ich zurück nach Deutschland. Aber ich wäre gern in Peru geblieben. Dort habe ich das gefunden, was ich immer wollte: mit den Armen leben.


         nach oben

Support:
Alfried Krupp-Schulmedienzentrum