Antoniusschule
WAZ vom 26.04.2007

Von Markus Fuhrmeister

Freisenbruch. "Wie kommt es eigentlich zum Krieg?" Wer kann diese Frage schon aus dem Stehgreif beantworten - vor allem wenn sie von Kindern gestellt wird. Den Versuch unternimmt Maria Baumann. Die gebürtige Freisenbrucherin ist zu Besuch in der Antoniusschule. 17 Kinder sitzen gemeinsam mit der 77-jährigen Zeitzeugin und Schulleiterin Clarissa Waclawek im Stuhlkreis. Im Rahmen ihrer Projektwoche haben sie sich für das Thema "Krieg und Frieden - Der zweite Weltkrieg" entschieden.

Jeder Schüler, mit einer Ausnahme sind es nur Jungen, hält einen kleinen Zettel in der Hand, auf dem vorbereitete Fragen notiert sind. "Wie haben Sie persönlich den Krieg erlebt?", "Wieso gibt es immer noch Nazis und Menschen, die Hitler gut finden?" oder "von wem und wie haben Sie erfahren, dass der Krieg vorbei ist?"- um nur drei beispielhaft zu nennen.

Die Antworten und Erzählungen von Maria Baumann sorgen für gebannte Stille im Klassenraum. Neun Jahre war sie alt, als 1939 der Krieg ausbrach. Ihre Erlebnisse schildert sie also aus der Sicht eines Kindes, das genauso alt war wie ihre jungen Zuhörer heute. "Am schlimmsten waren die Bombennächte", erzählt sie. Noch heute habe sie das Heulen der Sirenen in den Ohren, wie überhaupt ihre Erinnerung "noch zu 100 Prozent vorhanden ist".

Ungläubig erfahren die Kinder, dass fast alle Bunker damals oberirdisch angelegt waren. "Ich dachte, die waren alle unter der Erde, damit sie nicht kaputt geschossen werden konnten", so ein Zwischenruf. In den Keller unterm Haus ging es für Maria Baumann aber nur, wenn sie es zeitlich nicht mehr in den Bunker geschafft hat.

Immer noch sichtlich ergriffen berichtet sie von ihren Beobachtungen eines Fliegerangriffs auf Wuppertal. "Da wurden Phosphor-Bomben abgeworfen. Zwei Tage lang konnte man den lila-rot erleuchteten Himmel bis nach Essen sehen". Eine Vorstellung, die bei den Schülern für Erstaunen und offene Münder sorgt.

"Gab es im Krieg eigentlich Schulunterricht", fragt die neunjährige Jasmin. "Fast immer", so die Antwort. "Aber wenn eine Schule über Nacht zerstört wurde, mussten wir in ein anderes Gebäude umziehen".

Sichtlich unsicher ob der zu wählenden Worte erzählt sie von den Toten, die sie während des Krieges zu Gesicht bekommen hat. "Drei Tage nach einem Bombenangriff ist mein Großvater gestorben. Seine schweren Verletzungen konnten nicht richtig behandelt werden, weil fast alle Medikamente zu den Soldaten an die Front geschickt worden sind". Große Angst habe sie auch gehabt, als sie einmal zusammen mit ihrer Schwester verschüttet, wenig später aber "Gott sei Dank wieder freigeschaufelt werden konnte".

Für ein wenig Auflockerung sorgte Maria Baumanns Bericht über die Kinder-Land-Verschickung. Als eine Art "Ferienfreizeit" hat sie es empfunden, wenn auch die Sorge um die daheim gebliebene Familie ständig präsent gewesen sei. "In erster Linie waren wir aber froh, die Bombennächte nicht mehr erleben zu müssen".

"Uns ist es wichtig, dass die Kinder solche Erlebnisse aus erster Hand erfahren können", erklärt Clarissa Waclawek die Einladung der Zeitzeugin. Viele hätten schon Vorkenntnisse über den zweiten Weltkrieg gehabt, vor allem über die Judenvernichtung. In den Projekttagen haben die Kinder versucht, sich dem Thema "so spielerisch es geht" anzunähern. In Bildern haben sie ihre Gedanken zum Krieg aufgemalt. Das Resultat: Durchgestrichene Hakenkreuze, Motive mit Bomben, Explosionen und Feuer - aber auch immer wieder Friedens-tauben. Der Tenor der Kinder: "Nie wieder Krieg!"

Was die Kinder der Antoniusschule während ihrer "Reise durch die Zeit" erlebt und erfahren haben, stellen sie beim Schulfest am Samstag, 12. Mai von 12 bis 16.30 Uhr, den Besuchern vor. Die Themen waren "Leben vor 200 Jahren", "Das alte Ägypten", "Das Mittelalter", "Tiere der Urzeit", "Reise in die Steinzeit" und "Krieg und Frieden - Der zweite Weltkrieg". Außerdem im Programm: Handwerkermarkt, Streichelzoo, Tombola und ausreichend Verpflegung. 

 

       
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